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Bedeutungsgebung – kleine Technik, große Wirkung

Ein Stück Stoff, eine Playmobilfigur, eine Halskette – oft sind es kleine und für Außenstehende unbedeutende Dinge, die uns als täglicher Begleiter als Talisman oder Glücksbringer begleiten. Diese Dinge haben für uns als Besitzer dabei meist eine hohe Bedeutung. Doch woher haben diese Dinge diese hohe Bedeutung für uns? Sie haben diese hohe, meist ideelle Bedeutung, weil wir sie ihnen zuschreiben, also diesen Dingen diese Bedeutung geben. Dies kann uns in besonderen Situationen oder auch einfach im Alltag Sicherheit geben, wir fühlen uns gut in dem Wissen, ein individuell sehr wertvolles Stück dabei zu haben. Wer einmal erlebt hat, dass ein Freund oder eine Bekannte verzweifelt stundenlang nach etwas sucht, das materiell möglicherweise nur wenige Cent wert ist, weil es doch der wichtige tägliche Begleiter ist, hat eine Ahnung davon, welche Wirkung ein solcher Gegenstand (und welch negative Wirkung der mögliche Verlust) entfalten kann.

Auch das Ergebnis einer Sitzung im systemischen Coaching wird für den Klienten oft durch einen Gegenstand repräsentiert. Dieser erinnert daran, dass man die Dinge doch fortan anders tun möchte, eben so, wie man es im Coaching erarbeitet hat. Oft gewinnt ein solcher Gegenstand bei einer erfolgreichen Veränderung enorm an Bedeutung, eben der Bedeutung, die wir ihm zuschreiben.

Diese kleinen Helferlein und ihre Wirkung für verschiedene Situationen haben wir bereits in früheren Blogbeiträgen beschrieben. An dieser Stelle möchten wir nun den Aspekt der Bedeutungsgebung in den Blick nehmen und für uns nutzbar machen. Dabei muss es kein spezieller Gegenstand sein, der hier eine Rolle spielt, es kann auch eine besondere, vielleicht wiederkehrende, Situation sein.

Im Seminar

Wir saßen im Seminar. Immer und immer wieder meldete sich das Mobiltelefon eines Seminarteilnehmers, manchmal mit einem einfachen „Bling“ oder aber einem kurzen, tiefen Brummen. In der Folge waren stets alle anderen Seminarteilnehmer genervt und fühlten sich dadurch gestört. Der Referent reagierte in dieser Situation anders, als viele andere das getan hätten. Er hat eben nicht alle Anwesenden ermahnt, ihr Telefon ganz auszuschalten, sondern hat die ständigen vermeintlichen Störungen aufgegriffen und uns den Vorschlag unterbreitet, diesen technischen Signalen eine andere Bedeutung beizumessen. Er sprach davon, wie wichtig es ist und wie gut es tun kann, während eines anstrengenden Seminars regelmäßig einmal ganz tief durchzuatmen. In der Folge atmeten wir kollektiv bei jedem neuen Handygeräusch einmal tief durch. Nach ein wenig Übung hatte sich die Gruppe quasi unausgesprochen darauf geeinigt, dass das Piepsen und Brummen nicht länger nervig ist, sondern uns vielmehr daran erinnert, dass wir ja alle regelmäßig tief durchatmen wollten.

Machen Sie etwas Nerviges zu etwas Schönem

Mit ein wenig Phantasie können wir dies auf viele Situationen, in denen wir uns genervt fühlen, über andere ärgern oder über Dinge schimpfen, übertragen. Möglicherweise haben Sie einen Kollegen, den Sie nicht besonders mögen. Schon wenn Sie ihn von Weitem hören – mit seiner möglicherweise nervigen Stimme – läuft ein negativer Film in Ihnen ab. Wie wäre es, wenn Sie versuchen, dieser Stimme eine neue Bedeutung für sich zu geben? Wie wäre es, wenn Sie das Hören dieser Stimme künftig mit einer für Sie schönen Erinnerung verbinden? Vielleicht haben Sie in den letzten Jahren ein tolles, möglicherweise auch sehr teures, Konzert besucht oder ein sonstiges wunderbares Ereignis gehabt. Wäre es nicht ein Traum, wenn diese – bisher nervige – Stimme Sie an dieses wunderbare Ereignis erinnert? Wäre es nicht wunderbar, wenn Sie sich schöne Gedanken und großartige Bilder Ihrer Vergangenheit ins Gedächtnis und vor Ihr geistiges Auge riefen? Vielleicht zaubert die Stimme Ihnen künftig so ein kleines Lächeln auf die Lippen. Ihre Kollegen wären sicherlich verblüfft…

Was brauche ich, um das auszuprobieren?

Um eine solche Bedeutungsgebung umzusetzen, bedarf es meiner Ansicht nach zweier Dinge: Zum einen sollten Sie sich dafür öffnen, dass Sie entscheiden, welche Bedeutung die Dinge für Sie haben. Das impliziert auch, dass Sie es für sich als möglich bewerten, Dingen, Situationen, Reizen eine neue Bedeutung geben zu können. Zum anderen bedarf es einer gewissen Übung. Wenn ich entschlossen bin, einem äußeren Reiz eine neue Bedeutung beizumessen, muss ich das üben. Vielleicht gelingt es mir nicht auf Anhieb und nicht immer, aber mit beharrlicher Übung wird sich Ihre angestrebte Reaktion vermehrt einstellen und zunehmend leichter fallen.

Versuchen Sie es

Wir laden Sie herzlich ein, diese kleine Technik einmal für sich auszuprobieren. Wenn Sie die beiden genannten Bedingungen beherzigen, werden Sie möglicherweise ein kleines nerviges Ärgernis in Ihrem Leben eliminieren können. Diese kleine Übung kann jeder und jede Einzelne von Ihnen für sich selbst definieren und ausführen.

Sollten Sie hierzu Unterstützung haben wollen, empfehlen wir eine Einheit im Hypnocoaching, um eine mögliche Veränderung mit allen Sinnen intensiv spüren zu können und Klarheit darüber zu gewinnen, dass Sie es können. Betrachten wir den systemischen Ansatz, so wird uns deutlich, dass diese kleine Veränderung positive Auswirkungen auch auf andere (Lebens-)Bereiche hat. Bedeutungsgebung – Sie entscheiden, was welche Bedeutung für Sie hat.

Köln, 22.11.2020

Martin Binzen, Dipl. Sozialpädagoge, zertifizierter Personal- und Business Coach (ECA)

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