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Die Bedeutung von Erinnerungen – Woran uns negative Erinnerungen hindern und wie diese Hindernisse beseitigt werden können.

In folgendem Beitrag lesen Sie, wie wir im Karriere Coaching Erinnerungen verändern und damit Hindernisse für die Zukunft beseitigen …

Sie kennen das, alles ist schiefgelaufen, Sie waren top vorbereitet, doch an diesem Tag ging alles daneben. So erging es Paul bei seinem Vorstellungsgespräch. Negative Erinnerungen an die verpatzte Situation kamen immer wieder hoch und waren eine schlechte Voraussetzung für nachfolgende Gespräche. Dann haben wir im Coaching die Submodalitäten, die kleinsten Bausteine unserer Wahrnehmung, verändert.

Das misslungene Vorstellungsgespräch

Als mein Klient Paul seine Bewerbung für ein Praktikum an eine große Investmentbank in den Briefkasten warf, hatte er ein gutes Gefühl. Mehrmals hatten er und seine Freunde das Bewerbungsanschreiben Korrektur gelesen, den Lebenslauf überprüft, sein Foto optimiert und ein mögliches Vorstellungsgespräch geübt. Dann dauerte es genau 14 Tage und die Einladung zum Gespräch flatterte ins Haus. Paul war begeistert, ein Hochgefühl durchzog seinen Körper und er konnte es kaum erwarten, nach Frankfurt zu fahren und die modernen Räumlichkeiten der Bank zu betreten.

Angekommen im sommerlichen Frankfurt sagte der Empfangsmitarbeiter mit dunkler, mürrischer Stimme „Aufzug, 11. Stock, dann holt Dich Mary am Fahrstuhl ab“. Ungefähr 8 Minuten musste Paul vor dem Fahrstuhl im 11. Stock warten, dann erschien Mary mit den Worten „Bist Du Paul?“ und musterte ihn von der Fußsohle bis zur Haarspitze mit den Worten „Möchtest Du Dich noch frisch machen? Die Herren warten im Raum New York auf Dich.“ Paul wischte sich im Bad sein verschwitztes Gesicht ab und betrat den Raum New York, der auf ca. 15 Grad Celsius runtergekühlt war. Gegenüber saßen Aelfred, Head of Investment Banking und Ashley, Senior Analyst und machten eine großzügige Handbewegung mit der Aufforderung, Platz zu nehmen. Ashley war sehr groß und trug ein weißes Hemd, glattgebügelt, hatte eine Vollglatze, einen braunen Teint und einen stechenden Blick. Aelfred war ebenfalls sehr groß und trug ebenfalls ein weißes Hemd und eine mächtige dunkle Hornbrille. Er hatte langes Haar, das auf seinen Schultern auflag. Dann lief alles wie ein Film ab: Paul schaute in die großen braunen Augen und den stechenden Blick von Ashley als dieser sagte: „Was wird Dein Add on für uns sein, Paul?“ „What are your key skills?“ fügte Aelfred hinzu. Dabei nahm er seine dunkle Hornbrille ab, rieb sich mit der Hand durch die Augen und legte die Brille vorsichtig auf die dunkle Holzplatte, die vermutlich 10 cm dick war. Die Oberfläche war kühl und glatt. Paul überlegte, nahm hektisch einen Schluck Wasser aus dem bereitgestellten Glas und schaute auf die Standuhr in der Ecke. Diese hatte ein großes Pendel und ein lautes Geräusch – tick tack, tick tack … Ein Ruck ging durch Pauls Körper: mit dieser Frage ganz zu Beginn hatte er nicht gerechnet. Dann presste er die Worte „hohe Auffassungsgabe, Marktkenntnis, Engagement und Wille zum Erfolg“ heraus. Aber Paul fühlte sich einfach unwohl, er hatte einen anderen Einstieg erwartet. Ashley richtete sich auf, ging nicht auf die Antwort ein und durchdrang mit seinem stechenden Blick Pauls Körper, dann sagte er „Let`s switch the language“. Ab hier verschwimmen Pauls Erinnerungen, weil ihn die Situation stark belastete. 30 Minuten dauerte das Gespräch noch, Aelfred und Ashley stellten diverse Fragen in English, beide waren „Native speakers“. Paul konnte nicht alles verstehen. Ihm war kalt, der Ledergeruch der Stühle lag in seiner Nase, das Tageslicht aus dem gegenüberliegenden Fenster blendete ihn, und er wollte nur noch raus. Den Job hatte Paul am Ende nicht bekommen.

Erinnerungen enthalten Bewertungen, die sich in den Submodalitäten manifestieren

Die Erinnerungen an dieses Vorstellungsgespräch sind für Paul täglich präsent. Immer wenn er daran denkt, geht es ihm schlecht, obwohl er die Situation nicht direkt erlebt, sondern sich nur erinnert. Bei Erinnerungen reagieren wir nicht auf direktes, äußeres Geschehen – wir reagieren auf innere Bilder, Gefühle, Klänge oder Gerüche. Wir reagieren auf das, was wir innerhalb unserer Repräsentationssysteme abgespeichert haben. Es gibt also in der Art und Weise, wie wir Erinnerungen abspeichern, bestimmte Unterschiede, die unsere Bewertung der Ereignisse miteinschließt. Diese inneren Bilder, Dialoge und Gefühle sind nicht so einfach da – sie haben bestimmte „Merkmale“ oder „Qualitäten“: die Submodalitäten. Die Bewertung von Erlebtem wird in diesen sinnesspezifischen Submodalitäten kodiert. Submodalitäten sind die kleinsten Bausteine unserer Wahrnehmung und Erinnerung. Wenn wir an etwas denken, ist es entweder farbig oder schwarz-weiß, hell oder dunkel, bewegt oder nicht bewegt, nah oder fern. Innere Dialoge sind laut oder leise, deutlich oder undeutlich, kommen von vorne, hinten, innen oder außen. Ein Gefühl ist entweder kühl oder warm, pulsierend oder ziehend, drückend oder leicht. Jeder sinnliche Eindruck setzt sich aus vielen Details zusammen.

Die Veränderung der Submodalitäten kann Erinnerungen verändern und damit Hindernisse für die Zukunft abbauen

Gehen wir einmal davon aus, dass wir Geschehenes nicht rückgängig machen können, aber die Erinnerung an das Geschehene verändern können, dann können wir die Hindernisse aus negativen Erinnerungen für die Zukunft abbauen.

Zurück zu Paul. Bei der Aufarbeitung seiner negativen Erfahrungen hat er noch einmal genau die Situation seines Vorstellungsgespräches nachempfunden. So hatte Paul beispielsweise die Kälte in dem Raum, die Größe seiner Gesprächspartner, das Ticken der Uhr, das blendende Licht und den Geruch der Möbel in lebendiger negativer Erinnerung. Diese kleinsten Elemente seiner Erinnerung haben wir verändert, bis der Gedanke an das Gespräch keine negativen Folgen mehr hatte. So haben wir das Gefühl der Kälte in Wärme verwandelt, die Gesprächspartner verkleinert, das Ticken der Uhr leiser gemacht, das blendende Licht verdunkelt und den Geruch der Möbel in einen für Paul angenehmeren Geruch verändert. Die Erinnerung an das Geschehene hat sich dadurch verändert. Paul konnte nun wesentlich distanzierter auf die Ereignisse zurückblicken, da die negativen Emotionen, die damit verbunden waren, von einem Gefühl der Gelassenheit überlagert wurden.

Alsbald hatte Paul ein weiteres Vorstellunggespräch. Hier trat er selbstbewusst, fachlich kompetent und überzeugend auf. Paul hat die Stelle bekommen.

Wenn Sie ebenfalls negative Erinnerungen an vergangene Erlebnisse daran hindern, unvoreingenommen auf Neues zuzugehen, sei es im Bereich der beruflichen Entwicklung oder im privaten Umfeld, dann empfehle ich Ihnen unsere Coaching- Angebote sowohl im Business- als auch im Personal Coaching. Rufen Sie einfach an unter 02237 929 4746.

Köln, 17.10.2021

Dirk Hamm, Systemischer Coach (ECA), Teamcoach, Lehrcoach und Ausbildungsleiter an der Coaching Akademie Berlin unterstützt seit 15 Jahren Menschen in Ihrer persönlichen Entwicklung.

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