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Die positive Absicht – Ein Beispiel aus einem Coaching für Führungskräfte

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht? Das ist doch eine gute Grundlage!

Nahezu jede*r von uns kennt das: In einer ganz besonderen oder speziellen Situation gelingt es uns manchmal nicht, das Verhalten zu zeigen, von dem wir wissen, dass es richtig und für uns förderlich wäre. Wir stehen uns (mal wieder) selbst im Weg. Obwohl wir uns fest vornehmen, beim nächsten Mal anders zu reagieren, die Dinge so zu tun, wie wir es „eigentlich“ wollen, gelingt es uns oft nicht.

Hier kann es helfen, einmal anders an die Dinge heranzugehen. Statt zu klagen, dass wir uns selbst wieder im Weg gestanden haben und die Dinge wieder nicht so hinbekommen haben wie vorgenommen, treten wir zunächst einen Schritt zurück. Sehen wir uns einmal an, was in dieser Situation los ist und was dahinterstecken könnte.

Ein Beispiel aus einem Coaching für Führungskräfte:

Eine junge Frau, nennen wir sie Agnes, ist in einem Geschäft des Einzelhandels als Führungskraft zuständig für die Lebensmittelhygiene und damit auch für den Umgang der Mitarbeitenden mit frischen Lebensmitteln. Wiederholt werden ihre strengen Vorgaben seitens der Mitarbeitenden missachtet. Agnes reagiert impulsiv und aufbrausend. Sie schreit die Mitarbeitenden regelrecht an und droht mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Im Coaching für Führungskräfte konnte mit Agnes erarbeitet werden, dass das Anschreien und das allgemeine Drohen mit Konsequenzen wenig Erfolg hinsichtlich einer Besserung der Mitarbeitenden hat. Bereits in der Vergangenheit hat sie immer wieder so reagiert, die Situation hat sich aber nicht merklich verbessert. Sie sagt, dass ihre Reaktion sogar gegen ihr eigenes Wertesystem verstößt und sie überhaupt nicht so reagieren will, sie erkennt sich später fast selbst nicht wieder. Trotzdem reagiert Agnes bei Missachtung der Hygienevorgaben immer wieder auf diese Weise.

Bevor wir nun ein erfolgversprechenderes Verhalten erarbeiten und trainieren, sehen wir uns einmal an, was denn dahintersteckt. Ausnahmsweise beleuchten wir die Frage nach dem Warum. Warum reagiert sie so? Schließlich hat sie mit ihrem Verhalten keinen nachhaltigen Erfolg, der darin bestünde, dass ihre Mitarbeitenden die Vorgaben befolgen.

Die positive Absicht

Wir sind im systemischen Coaching der Überzeugung, dass wir keine inneren Anteile in uns tragen, die uns bewusst schaden wollen. Also stellen wir einmal die Frage, welche positive Absicht hinter einem Verhalten stecken könnte, das uns augenscheinlich zum Nachteil gereicht. Zugegeben, es ist vordergründig vielleicht nicht sofort einleuchtend, dass eine negative Verhaltensweise von einer positiven Absicht ausgelöst wird. Und doch ist es in vielen Fällen so, dass uns unser Inneres eine positive Botschaft mitteilen will, die dann in einem nicht gewünschten Verhalten mündet.

Kehren wir zu unserem Beispiel aus einem Coaching für Führungskräfte zurück:

Hinter dem impulsiven und aufbrausenden Verhalten und hinter dem Anschreien und Drohungen verbirgt sich eine positive Absicht. Agnes nimmt ihren Job sehr ernst, sie weiß um ihre Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit und damit für ihre Kunden. Sie ist der Meinung, dass die Mitarbeitenden diese Verantwortung ebenfalls ernst nehmen müssen. Wir haben herausgearbeitet, dass diese Verantwortung zentral für ihre höchst emotionale Reaktion ist. Zudem spielen hier bei Agnes der Selbstschutz und der eigene Anspruch an gute Arbeitsergebnisse eine große Rolle. Dies alles mündet in ihrer Reaktion, die eher dazu führt, dass sich die Mitarbeitenden abwenden statt ihr zuzuhören.

Durch das Erkennen dieser positiven Absicht fiel es Agnes in der Folge deutlich leichter, ihr Verhalten zu ändern. Sie weiß um ihr (für sie) intaktes Wertesystem. Mit dem Wissen um diese positive Absicht fällt es ihr in der Folge deutlich leichter, neue und Erfolg gekrönte (die Mitarbeitenden hören ihr zu) Verhaltensweisen zu entwickeln, zu trainieren und diese zu verstetigen.

Gut gemeint – eine gute Grundlage

Zusammenfassend könnte man sagen: Gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Aber dieses „gut gemeint“ ist schon sehr viel Wert und kann eine Grundlage bilden, auch zu einem „gut gemacht“ zu kommen. Wenn wir wissen, dass unsere Absicht positiv und diese (nach eigener Sichtweise) richtig ist, können wir uns in Bezug auf unser Verhalten besser selbst annehmen. Somit öffnen wir uns für eine wirkliche Lösungsorientierung, für eine nachhaltige und positive Veränderung auch im Verhalten.

Versuchen Sie es – wir unterstützen Sie gerne

Ich lade Sie herzlich ein, es einmal selbst zu versuchen. Wenn Sie das nächste Mal denken, dass Sie in einer bestimmten Situation anders hätten reagieren sollen, fragen Sie sich ruhig einmal, welche positive Absicht Ihrem Verhalten möglicherweise zugrunde liegt. Lassen Sie diese Möglichkeit einmal zu und nehmen Sie Ihre Gedanken ernst. Gelingt Ihnen dies nicht, suchen Sie sich Unterstützung, ob durch eine*n gute*n Freund*in oder einen professionellen Coach. Das Erkennen der positiven Absicht kann ein wichtiger Auftakt sein, damit Sie später nach einer ähnlichen Situation einmal denken: Gut gemeint, und diesmal auch richtig gut gemacht!

Köln, 31.05.2021

Martin Binzen, Systemischer Personal & Business Coach für die Berufswahl

Kontakt:
martin.binzen@coachingwerk-koeln.de