+49 (0) 2237 929 4746 info@coachingwerk-koeln.de

Veränderter Blickwinkel im Job: Was soll bleiben?

Total frustriert im Job? – Schärfen Sie Ihren Blick für die positiven Details

Vielleicht kennen Sie diese Situation oder dieses Gefühl: im Laufe der letzten Monate oder sogar Jahre hat sich infolge von internen Umstrukturierungen, Fusionen oder seitdem der neue Geschäftsführer an Bord ist und ein Beratungsunternehmen beauftragt hat, die Atmosphäre im Unternehmen, geändert. Teamgeist und das vertrauensvolle Miteinander mit den Kollegen und Vorgesetzten sind verloren gegangen. Sie spüren, wie sich um Sie herum und bei Ihren Kollegen Frustration und Unsicherheit breit machen. Eigentlich hatten Sie immer Spaß an Ihrer Arbeit und haben gern bei Ihrer Firma gearbeitet. Nun bemerken Sie, wie Sie zunehmend weniger motiviert sind und Ihre Aufgaben eher routinemäßig erledigen. Schon länger überlegen Sie, ob Sie sich nach einer neuen Arbeitsstelle umschauen sollten und werfen auch schon mal hier und da einen Blick in die Stellenbörsen.

In meiner Arbeit als Coach und Trainerin begegne ich häufig Menschen, die mir ihre Situation so oder ähnlich schildern. Wachsende Komplexität der Aufgaben und immer schnellere Veränderungen – auch infolge zunehmender Digitalisierung – empfinden viele Arbeitnehmer als sehr belastend und häufig fühlen sie sich überfordert und allein gelassen. Wenn auch viele Menschen zögern, den Schritt der eigenen Veränderung zu gehen und sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, so sind geringere Einsatzbereitschaft und fehlende Initiative spürbare Folgen enttäuschter Erwartungen.

In solchen Phasen mag ein neuer Job in einem anderen Unternehmen verlockend wirken, um eine Problemlösung herbeizuführen. Aber ist das wirklich so? Manchmal mag es tatsächlich eine gute Option sein und neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Wie wirkt sich ein veränderter Blickwinkel aus?

Ich möchte Ihnen nachfolgend eine Methode vorstellen, mit der Sie diese Verlockung auf den Prüfstand stellen und Ihre eigenen Beweggründe hinterfragen können.

Im Coaching schlage ich meinen Klienten, sowohl denen mit konkreten Wechselgedanken als auch denen, die eher eine Strategie der inneren Kündigung verfolgen, einen gedanklichen Perspektivwechsel vor und frage sie: „Angenommen, Sie wollen sich tatsächlich verändern und sich einen neuen Job suchen – Was soll erhalten bleiben?“

Was soll erhalten bleiben?

Vor einer Woche stellte ich einer desillusionierten Klientin im Coaching genau diese Frage.
Ich bat sie, alles zu nennen, was ihr einfiel. Es gab keine Einschränkungen. So nannte sie die unterschiedlichsten Aspekte: der kurze Weg zur Arbeit, ihr Lieblingslieferant aus Euskirchen, das Essen in der Kantine, die netten Teamkollegen, das Einzelbüro, die flexible Arbeitszeit. Diese Punkte sprudelten direkt aus ihr hervor und ich schrieb alles mit. Dann hakte ich noch mehrmals nach, indem ich sie fragte „Was noch?“ oder meine ursprüngliche Frage in abgewandelter Form wiederholte: „Was läuft gut?“ oder „Was darf sich auf keinen Fall verändern?“

Es dauerte nun etwas länger, aber auf mein beharrliches Fragen hin entdeckte meine Klientin immer neue Punkte, z.B. die betriebliche Weiterbildung und das eigenverantwortliche Arbeiten. Nach einer guten Viertelstunde hatte ich eine beachtliche Anzahl von Aspekten auf meinem Papier gesammelt. Ich las meiner Klientin alles vor, was sie beibehalten wollte und fragte sie anschließend, wie sich das für sie anfühlte.

Zuerst reagierte sie sehr überrascht, wie viele positive Aspekte ihr eingefallen waren. Dann wurde sie nachdenklich und plötzlich legte sich ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht. „Hmm, dann ist es vielleicht alles gar nicht so schlecht, wie ich immer denke.“

Freier Blick auf das Kernthema

Ich ließ diesen Moment ein wenig wirken, bevor ich eine weitere Frage formulierte: „Und was fehlt?“ Ihre Antwort kam prompt: „Ich wünsche mir Anerkennung für meine Arbeit, und ich wünsche mir als Mensch wahrgenommen zu werden. Ich frage mich, ob mein Chef überhaupt weiß, was ich hier alles tue.“

Auf diese Weise hatten wir nun das eigentliche Kernthema, das meine Klientin beschäftigte, sichtbar gemacht. Nach all den positiven Aspekten, die sie zuvor gesammelt hatte, wirkte dieser Mangel nun nicht mehr so übermächtig und allgegenwärtig und war zudem klar umrissen. In unserer nächsten Coachingsitzung konnten wir uns ganz gezielt damit beschäftigen, wie sie mehr Anerkennung finden kann.

Was wollen Sie in Ihrem Job erhalten? Anleitung zum Selbstcoaching

Diese Methode eignet sich auch hervorragend zum Selbstcoaching, und ich lade Sie herzlich ein, es einmal selbst auszuprobieren. Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie sich wohl fühlen und nehmen Sie Papier und Stift mit. Fragen Sie sich (gern auch laut ausgesprochen) „Was läuft gut im Job?“ und schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt, ganz ohne Wertung. Notieren Sie einfach alles. Wenn Ihnen nichts weiter einfällt, wiederholen Sie die Frage oder wandeln Sie sie ein wenig ab, wie ich es zuvor beschrieben habe. Fahren Sie auf diese Weise mindestens 15 Minuten lang fort. Lassen Sie Ihren Gedanken Zeit, auch in versteckten Ecken zu schauen. Manchmal brauchen wir ein wenig länger, um auch diese Aspekte zu finden. Wenn Sie alles notiert haben, lehnen Sie sich entspannt zurück und lesen sich Ihren Fundus laut vor. Nehmen Sie die Gefühle wahr, die sich bei Ihnen einstellen und bleiben Sie einen Moment in diesem Erleben. Erst im Anschluss fragen Sie sich: „Und was fehlt?“

Die Methode können Sie auch hervorragend auf einem Spaziergang in der Natur durchführen, indem Sie Ihre Antworten auf Ihr Handy aufsprechen und sich die Aufnahme anschließend anhören. Oder Sie bitten einen vertrauten Menschen, Ihnen die Fragen zu stellen und für Sie zu notieren. Finden Sie Ihren bevorzugten Weg.

In jedem Fall wünsche ich Ihnen viele aufschlussreiche Erkenntnisse auf Ihrer Gedankenreise.

Kerpen, 04.03.2019 – Kerstin Brandes

Kontakt: kerstin.brandes@coachingwerk-koeln.de

Kerstin Brandes, Dipl.-Fachsprachenexpertin, zertifizierter Systemischer Business Coach (ECA) und Interkulturelle Trainerin begleitet und unterstützt seit über 15 Jahren Mitarbeiter und Führungskräfte mittelständischer Unternehmen erfolgreich in Veränderungsprozessen. Als Expat Coach ist sie darauf spezialisiert, den beruflichen und privaten Integrationsprozess von ausländischen Experten und Führungskräften in Deutschland zu begleiten, gern auch auf Englisch.